Kaltes

Wasser hilft beim Schwimmenlernen. Und dass er schwimmen kann, wenn es darauf ankommt, hat Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg bereits unter Beweis gestellt. Jetzt darf er zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres ein neues Amt antreten. Nach dem CSU-Generalsekretärssposten wird der 37-jährige noch diese Woche das Bundeswirtschaftsministium übernehmen, eine rasanter Aufstieg. Er ersetzt den als Wirtschaftsminister glücklosen Michael Glos.
Wenn er nicht ausgerechnet Franke wäre, hätte der nächste Karrieresprung des Freiherrn vielleicht noch etwas auf sich warten lassen. In der CSU ist der Proporz der Landsmannschaften ein wichtiger Faktor. Nach der Abwahl des Mittelfranken Günther Beckstein als bayerischer Ministerpräsident, und dem Rücktritt des Unterfranken Glos, war klar: Damit die ewige Balance der Macht in Bayern nicht ins Ungleichgewicht fiele, musste der nächste Wirtschaftsminister der fähigste aller Franken sein.
"Ein guter Anwalt der Wirtschaft in Deutschland [zu] sein", wie Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef der Horst Seehofer es ausdrückte, wird das in der schweren Zeit der Bankenkrise und aufziehenden Wirtschaftskrise reichen? Wirtschaftskompetenz und Wirtschaftsnähe sind zwei verschiedene Dinge.
Hat zu Guttenberg, nicht nur die unbestrittene fachliche und persönliche Qualifikation, sondern auch den Bürger auf seiner Seite? Dem streng frisierten Freiherrn wird nachgesagt, dass er immer ein bisschen eloquent und steif daher käme. Ein Wirtschaftsminster wird wohl nicht direkt vom Volk gewählt, folglich muss er nicht durch Bürgernähe glänzen. Aber dass die öffentliche Einschätzung seiner Person doch über Wohl oder Wehe mitentscheidet, wird im Falle Glos mehr als deutlich.
Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg, Adelsspross aus Oberfranken, Urenkel eines der Attentäter im Kreis um Graf Stauffenberg, ist zwar als profilierter Außenpolitiker einem Fachpublikum bekannt. In der Wirtschaftspolitik hat er sich jedoch noch nicht hervorgetan. Trotzdem gilt er als fähiger Politiker. Sein politisches Gespür scheint zu Guttenberg allerdings verlassen zu haben, als er als oberfränkischer CSU-Bezirksvorsitzender den Willen von Parteichef Seehofer kritiklos exekutierte, und die in der Partei angefeindete Strauß-Tochter
Monika Hohlmeier, eine Oberbayerin, "überfallartig" als fränkische Kandidatin für das Europaparlament präsentiert hat.
Noch ist CSU-Chef Seehofer sehr angetan und des Lobes voll von seinem nagelneuen Wirtschaftsminister. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz habe zu Guttenberg ganz locker mit dem britischen Außenminister auf Englisch parliert. Aber die fleisch gewordene Allzweckwaffe einer runderneuerten CSU gehört einer neuen Politikergeneration an und kann auch nach hinten losgehen - für den Chef und die Partei. Dann nämlich, wenn der Mann, der von allen «KT» gerufen wird, zu viel frischen Wind in die CSU bringt und mit den sich andeutenden, neuen Ideen einen offeneren Kommunikationsstil und eine Teamkultur pflegt und einfordert. Die streng hierarchische, konservative CSU wäre so etwas nicht gewohnt.
Außer Horst Seehofer braucht zu Guttenberg mehr Verbündete, wenn er im politischen Berlin bestehen will. Michael Glos hatte nicht mal den.