
Keine Frage:
Piraterie ist kriminell.

In allen Spielarten. Wenn man als Staat die Ressourcen eines anderen Staates plündert, heißt es bloß anders:
Staatliche Maßnahmen stellen, selbst wenn sie unrechtmäßig sind, keine Piraterie dar. Heute sind solche Maßnahmen Kriegs- und Behördenschiffen vorbehalten, im Rahmen der Kaperei wurden sie bis 1856 jedoch auch von staatlich autorisierten Privaten vorgenommen und waren dadurch in ihrer äußeren Erscheinungsform häufig nicht von Piraterie zu unterscheiden. (Wikipedia)
Neuerdings ist das Kapern anscheinend wieder in Mode, nur diesmal nimmt man nicht von den Reichen, sondern von den Armen, von denen die sich nicht wehren können. Und wenn sie sich dann wehren, nennt man es einfach Piraterie, und schickt deutsche Schiffe los, um deutsche
RechtsGüter zu schützen.
Darum geht es nämlich: nicht um Menschenleben - die Piraten haben schließlich bislang noch keine Person verletzt. Sondern darum, die Handelswege in den Osten zu sichern. Sonst
wären die Chinesen bestimmt nicht auf die Idee gekommen, in hohe See zu stechen:
Zwei Zerstörer und ein Versorger sind zu einer historischen Mission ausgelaufen - dem ersten Einsatz außerhalb der Küstengewässer seit dem 15. Jahrhundert.
Dabei geht es streng nach Rechtsgütern und Prioritäten. Die Chinesen beschützen ihre Flotte, die Deutschen ihre eigenen
RechtsGüter. Jeder kocht sein eigenes Süppchen.
Das Süppchen der Somalier wird gar nicht gekocht.
Es wird unter den anderen aufgeteilt:
Seit dem Sturz der Regierung 1991 wurden die Hoheitsgewässer Somalias kaum mehr überwacht. Seither betreiben ausländische Schiffe in größerem Umfang illegalen Fischfang vor Somalia und überfischen die Gewässer, was die Lebensgrundlagen der somalischen Fischer beeinträchtigt. Die Piraten sind zum Teil frühere Fischer, die ihr Tun damit rechtfertigen, dass die ausländischen Schiffe durch den Fischfang in den Hoheitsgewässern Somalias ihren Lebensunterhalt gefährden. Diese Piraten wollten also zunächst die Fanggründe vor Eindringlingen schützen, manche gingen allerdings dazu über, „Lizenzgebühren“ von den auswärtigen Fangflotten zu erpressen und auch Frachtschiffe und Passagierschiffe zu überfallen.
Auch das ist Piraterie:
Bei Piraterie (von griechisch: πειραν peiran, eigentlich „wagen“, über peirátes und lateinisch pirata „Seeräuber“) oder Seeräuberei, auch Freibeuterei, handelt es sich um Gewalttaten, Eigentumsdelikte oder Freiheitsberaubungen, die zu eigennützigen Zwecken von einem See- oder Luftfahrzeug aus auf Hoher See oder in anderen Gebieten verübt werden, die keiner staatlichen Gewalt unterliegen.
Einen Staat, der das Eigentumsdelikt des illegalen Fischfangs verfolgen könnte, gibt es in Somalia nicht. Und von der UN hört man auch erst was, wenn Geld und Gut von wichtigen Mitgliederländern bedroht ist:
Piraterie ist international geächtet und seit Juni 2008 von den Vereinten Nationen als kriegerische Handlung eingestuft.
Es hat also auch für die internationale Gemeinschaft seinen Preis, wenn man sich "
Failed States" leistet. Irgendeiner kommt dann, und kassiert eine "Pendlerpauschale" für die Globalisierung. Und dabei kommt Somalia erst auf
Platz 7 der gescheiterten Staaten (Der Sudan ist Erster, den lässt man ja auch machen).
Wenn man die Kosten aller internationalen Sicherungsmaßnahmen und der Verluste durch Piraterie zusammenrechnete, wage ich zu prophezeien, dass es billiger käme, Somalia endlich zu befrieden. Ganz abgesehen davon, dass es in Somalia wieder geordnet zuginge und
alle Menschen dort etwas davon hätten.
Weil sich die Amis einmal die Finger verbrannt haben
Als Ende der Operation Restore Hope [kleiner Zynismus am Rande] wird oft der 3. März 1993 angegeben, als das Mandat der UNOSOM/UNITAF an die UNOSOM II übertragen wurde. Nachdem in der „Schlacht von Mogadischu“ am 3./4. Oktober 1993 18 US-Soldaten getötet worden waren, zogen die USA bis Ende März 1994 ihre Truppen aus Somalia ab.
will anscheinend niemand mehr das heiße Eisen "Somalia" anfassen. Dabei sind sie hier noch "billig" weggekommen: in Afghanistan und dem Irak gab es wesentlich mehr Tote.
In der Zwischenzeit lässt man das Land und den Nachbarn Äthiopien trotz eindringlicher Appelle allein, obwohl die Gefahr besteht, dass islamistische Fundamentalisten im Stile der afghanischen Taliban die Macht übernehmen. Und trotzdem gibt es noch so etwas wie Hoffnung:
20 doctors graduate in war-torn Mogadishu
Nein, stolz kann man auf den Einsatz der deutschen Marine am Horn von Afrika nicht sein. Das wäre ich vielleicht, wenn nicht nur eigennützige Motive im Vordergrund stünden. So ist das nur eine moderne Spielart des Imperialismus. Ich dachte, darüber wären wir hinaus.
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